Empowerment durch Digitalisierung und Social Media

Robert DürhagerGastbeitrag von Robert Dürhager: Die Caritas ist eine Gemeinschaft, durch die Empowerment möglich ist. Für Beratungs-, Betreuungs- oder Hilfe-Suchende ist sie eine solidarische Gemeinschaft um Not zu überwinden. Für berufliche und ehrenamtliche Mitarbeiter(innen), für Spender(innen) und Unterstützer(innen) ist die Caritas eine Gemeinschaft um zu helfen. Digitalisierung und Social Media können beide Anliegen befördern, da sie auf Werten basieren, die essentiell sind für ein Empowerment. 

Diese Werte sind:

  • Offenheit: wenn Personen ansprechbar werden oder Informationen nutzbar, kopierbar und lernbar angeboten werden
  • Partizipation: wenn Do-It-Together Aktionen organisiert werden und zeitliche, räumliche und strukturelle Hürden für eine Zusammenarbeit abgebaut werden
  • Gemeinschaft: wenn Menschen sich vernetzen, organisieren und zusammenkommen
  • Transparenz: wenn Informationen überprüfbar gemacht werden und vertrauensbildend Hintergründe aufgezeigt werden
  • Teilbarkeit: wenn es einen subjektiven Mehrwert bietet und wenn Inhalte begeistern
  • Selbstwirksamkeit: wenn aus einem Konsument ein Producer wird und Do-It-Yourself gefördert wird

Die Herausforderung zu einer empowernden Online-Kommunikation zu gelangen wird bei der Caritas jedoch dadurch erschwert, dass es ein föderal organisierter Dachverband mit 8.250 selbständigen Rechtsträgern ist. Hier sind kreative Lösungen gefragt.

Idee 1: Virtuelle Teams etablieren

Eine Lösung könnte der Einsatz von virtuellen Teams sein, deren Mitglieder ein gemeinsames Ziel verfolgen, wie z.B. die gemeinsame Online-Kommunikation über verschiedene Webseiten. Anstatt dass die entsprechenden Mitarbeiter(innen) der Online-Kommunikation in den Diözesan-Caritasverbänden nur für ihre Website verantwortlich sind, könnten auch alle zusammen für alle 27 Websites verantwortlich sein und sich die Arbeit teilen. Drei Herausforderungen sind dabei zu meistern:

  1. Die Team-Kommunikation bei virtuellen Teams ist deutlich schwieriger als bei stationären Teams. Alle Team-Mitglieder müssen darin trainiert sein, einige zentrale Kommunikationsinstrumente in der täglichen Arbeit zu verwenden. Ein gutes Online-Aufgabenmanagement (z.B. mit Trello), eine morgendliche Telefonkonferenz und ein guter Gruppen-Chat (z.B. HipChat) sind dafür ein guter Start.
  2. Die soziale Begegnung ist innerhalb von virtuellen Teams eingeschränkt, was die Kollegialität und den Team-Spirit auf Dauer beeinträchtigen kann. Hierfür benötigt es regelmäßig persönliche Treffen und z.B. Freitagsnachmittags auch mal einen virtuellen Wochenausklang via Video-Chat.
  3. Außerdem braucht es eine wirklich gute Team-Leitung, welche die Dynamik von virtuellen Teams kennt. Die Person muss über exzellente Kommunikations-, Moderations- und Organisationsfähigkeiten verfügen und es schaffen, anstehende Aufgaben für die parallele Bearbeitung durch eine Gruppe aufbereiten zu können.

Die Chancen von virtuellen Teams liegen darin, dass spezielle Kompetenzen über Diözesen hinweg geteilt werden können, dass Standardisierung möglich ist und man Ressourcen bündeln und fokussieren kann. Denn wenn es zum Beispiel darum geht, schnell auf einer Website ein Thema mit mehreren Seiten online zu bringen, ist diese Tagesaufgabe mit 27 Menschen im Team vielleicht nur noch eine Angelegenheit von wenigen Minuten.

Idee 2: Partizipation über Open Transfer ermöglichen

Getreu dem Motto “Gemeinsam sind wir stark” kann die Caritas mittels Digitalisierung auch den Erfahrungsaustausch und die Partizipation fördern. Auf einer Plattform für nutzergenerierte Inhalte können Best-Practice-Beispiele aus einer Region vorgestellt und von anderen Regionen übernommen werden. “Open Transfer” nennt sich diese Praxis, die mittlerweile zur Grundlage vieler Initiativen geworden ist. Der erste Schritt, die Weisheit der Vielen nutzbar zu machen, kann weitergeführt werden, indem die Caritas die horizontale Vernetzung an der Basis fördert und z.B. ihren vielen Praktiker(inne)n die Partizipation an jeweils ihren Fachthemen erlaubt. Eine solche fachgebundene Partizipation ist nicht nur effektiv, sondern kann auch als Form der Anerkennung zusätzliche Motivation bieten und interessante menschliche Begegnungen ermöglichen.

Idee 3: Bloggende Vorstände als digitale Vorbilder

Auch bei der Vertretung nach außen kann die #Followerpower helfen. In Sozialen Netzwerken sind die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter(innen) der Caritas die glaubwürdigsten Vertreter. Damit diese sich aber trauen, unter eigenem Namen online für die Caritas aktiv zu werden, brauchen sie gute Vorbilder und das Vertrauen, dass sie damit nicht gegen den Willen der Leitung der Verbände handeln. Der Schlüssel hierzu ist, dass das Management der Verbände als Wegbereiter auftritt und selbst aktive Blogger(innen) und Twitter(innen) sind. Schließlich sollte es diesen Personen besonders leicht fallen für die Caritas zu sprechen, da sie schon offizielle Vertreter des Verbandes sind. Sie benötigen keine großen Freigaben und können mit ihren Geschichten interessante Zusammenhänge und Hintergründe aufzeigen. “High Level” sollte also kein Gegensatz zu “High Tech” sein.

Über die strategischen Chancen und Herausforderungen für die Caritas schreibe ich in meinem nächsten Blogbeitrag.

Autor: Robert Dürhager ist Mitbegründer der SocialBar und arbeitete in der Online-Redaktion bei Oxfam Deutschland. Heute entwickelt er digitale Ideen für die Agentur Wigwam.

Marc Boos | 22. April 2014

Eine Antwort auf Empowerment durch Digitalisierung und Social Media

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