Die Tagung ist seit Wochen ausgebucht. Ein gutes Zeichen, denn das Thema ist für die Zukunft der Caritas wichtig. Es geht um ihre Rolle in den Social Medias, um den Stellenwert von Facebook, Twitter, Blogs & Co. für Verbände. Derzeit hat die Caritas in diesem Stück maximal eine Statistenrolle. Oft ist sie staunende Zuschauerin und manchmal bekommt sie gar nicht mit, was wo gespielt wird. Die Warteliste für die Tagung zeigt aber, dass viele Verantwortliche des Verbandes den Handlungsbedarf erkannt haben. Ob sie auch bereit sind, das umzusetzen, was ihnen die Referenten empfehlen?
Da ist zum Beispiel die Nonprofit-Expertin Dr. Brigitte Reiser. Sie wird darauf eingehen, welche Voraussetzungen Organisationen erfüllen müssen, um Social Medias erfolgreich einzusetzen. In ihrem Blog von nennt sie zentrale Elemente:
- Binnenakzeptanz
- Dialogbereitschaft
- Responsitivität
- Einbinden in die Gesamtstrategie
- Social-Media-Strategie
- Social-Media-Richtlinien
- Geld und Personal
Das macht deutlich, dass es nicht damit getan ist, „mal schnell“ die neuen Werkzeuge des Web2 zu nutzen. Einen Blog aufsetzen – dank wordpress kein Problem. Twittern kann jeder und auch eine facebook-Seite lässt sich leicht einrichten. Doch wie greifen diese Räder ineinander? Welche Inhalte sollen kommuniziert werden? Wie werden Offline- und Online- Kommunikation miteinander verknüpft? Und vor allem: Wer kümmert sich um die neuen Kontakte, die daraus resultieren. Wer antwortet auf Fragen – vor allem, wenn sie auch mal unbequem sind?
Wo sich die Caritas bereits in Social Media tummelt
Positive Ansätze gibt es genug. Die Berliner Caritas vernetzt derzeit ihre Fundraising-Aktivitäten mit einer eigenen facebook-Seite. Die Hannoveraner Caritas twittert und bloggt über ihr Projekt „Mach dich stark für starke Kinder“. Ein gutes Beispiel, bei dem die Kernkompetenz der Caritas auf die Möglichkeiten des Social Webs übertragen wurde, war das Weblog zur bundesweiten Kampagne „Soziale Manieren“. Menschen am Rand der Gesellschaft bekamen eine Plattform, auf der sie über ihr Leben, ihre Sorgen und Träume berichten konnten. Das Fazit des Ex-Junkies Rainer S. sagt viel darüber aus, wie dieses Angebot bei den 25 Autoren ankam: „Teilnahme ist eine Sache, die man auch alleine machen kann. Teilhabe aber setzt ein Gegenüber voraus. Also vielen Dank dafür, dass Sie mir hier eine Teilhabe ermöglicht haben.“ Auch die aktuelle Kampagne der Caritas, bei der sie alte Menschen als Experten fürs Leben präsentiert, wird von einem Blog begleitet. Die Kommentare zu Artikeln über die Pflege zeigen, dass sich Menschen zu diesem Thema austauschen, sich gegenseitig stärken und Mut machen wollen.
Gemeinsam lernen – andere andocken lassen
Für Brigitte Reiser muss ein nachhaltiger Einsatz von Social Media handlungsorientiert sein und darauf abzielen „Gemeinschaften und Bewegungen zu bilden, die Meinung und das Wissen anderer einzuholen, gemeinsam zu lernen und die eigenen Programme und Aktionen so zu gestalten, dass Unterstützer andocken und mitmachen können“. Hier könnten sich für die Caritas vor allem im Bereich des ehrenamtlichen und freiwilligen Engagements einige Chancen bieten.
Zweiter Referent ist Dr. Dr. Axel Zweck vom VDI-Technologiezentrum Düsseldorf. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen unter anderem die Zukunfts- und die Innovationsforschung. Bei einem Vortrag im Rahmen des 12. Deutschen Verbändekongresses formulierte er die Herausforderungen und Chancen der Social Webs für Verbände. Er hält es für legitim, wenn sie nach diesem Motto an die Sache herangehen: Locke Mitglieder, baue Loyalität auf, fahre Profit ein. Allerdings warnt er davor, dass der Kommerz über die Community gestellt wird. Wichtig ist aus seiner Sicht auch, dass Verbände einen „langen Atem“ für langfristige Vorhaben haben. Insofern dient die Fachtagung sicher als Training für die Vertreterinnen und Vertreter des Verbandes, die sich auf diesen Dauerlauf einlassen wollen.
