Wer erzählt die Geschichten?

Nein, es schreit niemand laut Hurra. Die Verantwortlichen für die Öffentlichkeitsarbeit in den diözesanen Caritasverbänden sind zu lange im Geschäft, als dass sie nach dieser Präsentation in Jubelstürme ausbrechen würden. Ihre Rückmeldungen auf die ersten Skizzen der neuen Caritas-Webfamilie bringen eine Stimmung zum Ausdruck: Ja, es ist wichtig, dass wir unsere Internetauftritte enger vernetzen und bei der Aufbereitung der Themen redaktioneller werden. Ja, wir können voneinander profitieren, indem wir Inhalte austauschen und ja, es ist richtig, das Angebot am Interesse der Nutzer auszurichten. Doch dann folgen Sätze, die mit einem Wort beginnen: Aber …

… wie kann das gehen mit den vorhandene Ressourcen? Alle Teilnehmer der Öffentlichkeitsarbeits-Bundeskonferenz in Aachen haben den Schreibtisch voll. Presseanfragen beantworten, Interviewpartner vermitteln, für Zeitschriften texten, die interne Kommunikation anschieben, Events koordinieren. Da reicht es eben meist nur für die Vorankündigung einer Veranstaltung – ein Video oder ein Audiointerview mit dem anwesenden Minister? Undenkbar. Oder die Preisverleihung für einen verdienten ehrenamtlichen Mitarbeiter. Ein paar Zeilen für die Tageszeitung, dass er vom Bürgermeister geehrt wurde – das spannende Portrait des Mannes oder der Frau? Fehlanzeige.

Die interessanten Geschichten spielen vor Ort

Dabei wären genau das die Inhalte, die zeigen, was die Caritas ausmacht: Die Menschen, die täglich für andere da sind. Die Geschichten, die bewegen und anderen Mut machen, sich ebenfalls zu engagieren oder den Schritt in eine Beratung zu wagen – weil man vielleicht in einem Video jemand sieht, der eine vergleichbare Situation durchlebt hat.

Die ÖA-Referenten sind Profis genug, um zu wissen, dass dies ein wichtiger Baustein einer neu ausgerichteten Webpräsenz sein sollte. Doch sie kennen die Arbeit vor Ort zu gut, um zu wissen, dass es dafür nicht nur das fachliche Know-how braucht – Texte schreiben kann jeder, Videos drehen und bearbeiten nicht. Außerdem braucht es einen guten Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen vor Ort, denn dort ereignen sich die Geschichten, die bewegen.

Marc Boos | 10. Dezember 2009

2 Antworten auf Wer erzählt die Geschichten?

  1. Marc Boos sagt:

    Hallo Herr Kleinebrahm, da haben Sie natürlich vollkommen recht. Und der Verband hat – wenn man genau hinschaut – leider zu wenig Menschen, die speziell für die Kommunikation freigestellt und ausgebildet sind. Viele machen das nebenbei – und sind mit dem Ergebnis selbst nicht richtig zufrieden.

  2. Hallo! Ihr beschreibt die Situation der ÖA-Referenten in der Cariats ziemlich treffend. Doch einen Halbsatz kann ich so nicht stehen lassen – vor allem dann nicht, wenn wir redaktioneller werden wollen. “Texte schreiben kann jeder …” – von dieser (weit verbreiteten) Auffassung muss man sich verabschieden. Journalistisches Texten will wie jedes Handwerk andere mühsam gelernt sein.

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